19.09.2017

SUPERILLU: Die Familie ist ihr größtes Glück

Als Biathlonstar hat Kati Wilhelm alles erreicht. Sieben Jahre nach ihrem Karriereende ist die Weltklassesportlerin aus Schmalkalden (Thüringen) aber nicht minder erfolgreich: Sie leitet ein Restaurant, hält Motivationsvorträge, schreibt Kochbücher und kommentiert im Ersten die Biathlonwettbewerbe. Doch ihre liebste Rolle ist die der Mama …
In SUPERillu zeigt sich Kati Wilhelm, 41, erstmals zusammen mit ihren Kindern Lotta, 5, und Jakob, 3, und ihrem Lebensgefährten Andreas Emslander, 44. Wir sprachen mit der ehemaligen Biathletin über ihr Leben als Mutter und wie es sie verändert hat. 

Kati, in der Loipe und am Schießstand waren Sie früher fast unschlagbar. Wie gut sind Sie heute als Mama – auf einer Skala von 1 bis 10?
Oh … Ich hoffe, meine Kinder würden sagen zehn! (lacht) Eine Übermutter bin ich nicht. Ich gestehe ihnen schon ihre Freiheiten zu. Und ich bin nicht superstreng, lasse vielleicht sogar manchmal zu viel durchgehen. Wenn ich mich selbst bewerten sollte, dann würde ich mir eine gute acht geben.

Wie nennen Ihre Kinder Sie?
Meistens Mama. Auch mal Mami. Und aus Quatsch auch mal Kati.

Haben Sie schon immer von einer Familie geträumt?
Ja. Ich habe eine Schwester und bin in einer tollen Familie groß geworden. Deshalb war es für mich im Grunde selbstverständlich, auch mal Kinder zu haben.

Wie gern sind Sie Mama?
Total gern. Auch wenn ich manchmal ein kleines Wutmonster oder eine kleine Hexe zu Hause habe. Aber die verschwinden zum Glück immer wieder … Und das wird alles relativiert, wenn sie mir sagen, wie sehr sie mich lieb haben, oder wenn sie mit mir kuscheln wollen. Da geht mir immer wieder aufs Neue das Herz auf. Was mir allerdings auch wichtig ist: Ich bin eben nicht nur Mutter. Ich genieße die Zeiten, in denen ich Restaurantchefin, Referentin oder Sportkommentatorin bin. Aber wenn der Job erledigt ist, zieht es mich immer wieder sofort nach Hause. Ich hätte ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich da noch einen Shoppingbummel oder eine Wellnessmassage dranhängen würde. Das ist eigentlich total bescheuert, denn die Kinder sind ja in dieser Zeit gut versorgt, aber so ticke ich nun mal. (lacht)

Stresst Sie der Spagat zwischen Familie und Job manchmal?
Ja, das schon. Aber mehr, weil ich mir Gedanken mache, ob ich beides gut genug mache und dass keiner zu kurz kommt.

Haben Sie den Eindruck, Ihr Partner kann sich beruflich mehr austoben als Sie?
Ja, manchmal schon. Wenn ich zum Beispiel einen beruflichen Termin habe, sichere ich als erste ab, dass die Kinder versorgt sind. Zur Not muss der Termin eben verschoben werden. Er geht einfach davon aus, dass er seinen Termin wahrnehmen kann. Da verlässt er sich sehr auf mich.

Wie bringt sich Papa im Familienkosmos sonst so mit ein?
Ich denke, das hat sich gut entwickelt. Viele Väter sind im Umgang mit Babys einfach etwas unsicher. Aber sobald etwas von den Kindern zurückkommt, fällt es ihnen leichter, und sie können es auch mehr genießen. So war’s auch bei uns. Mittlerweile sind wir ein gutes Team. Und manches gelingt Papa sogar besser als mir: Wenn er die Kinder ins Bett bringt, schlafen sie deutlich schneller ein als bei mir. Keine Ahnung, wie er das macht. Ich sitze oft eine Stunde und länger mit im Zimmer.

Haben Sie an sich neue Seiten entdeckt, seit Sie Kinder haben?
Hmm … Ich würde sagen, ich nehme mich heute nicht mehr so wichtig. Wenn wir verreisen, ist es mir wichtiger, dass für die Kinder alles dabei ist. Ich komme auch mal mit zwei T-Shirts aus. Oder neulich war mal wieder eine typische Situation: Wir waren auf der ega. Ich frage die Kinder: Wollt ihr etwas essen? Sie verneinen beide. Ich kaufe mir einen Pfannkuchen. Am Ende hat Lotta ihn komplett verputzt, und ich stand da. (lacht)

Wie ähnlich sind Sie Ihrer eigenen Mutter in Sachen Kindererziehung?
Ich erziehe meine Kinder schon etwas anders, als es meine Mutter früher getan hat – einfach weil sich die Zeiten geändert haben. Ich denke, unsere Müttergeneration behütet ihre Kinder heute anders und sorgt sich mehr. Man will keinen Fehler machen. Früher war vieles selbstverständlicher, und man hat sich weniger Gedanken gemacht. Das meine ich jetzt nicht negativ. Da spielten die Kinder ewig im Wald und kamen erst zum Abendbrot zurück, die Mütter ließen die Einkaufswagen mit ihren Kindern vor der Kaufhalle stehen. Das ist heute nicht mehr vorstellbar.
Ich mache mir zum Beispiel gerade viele Gedanken, welche Schule für Lotta nun die richtige ist. Früher wurde einem eine Schule zugeteilt, und gut war’s. Die Auswahl heute ist toll, verunsichert mich aber auch.

Was antworten Sie Ihren Kindern, wenn sie fragen, warum Papa einen anderen Nachnamen hat als Mama?
Nachnamen sind für meine Kinder bisher noch unwichtig, und deshalb sehen sie auch noch nicht, dass es bei anderen Familien anders ist. Verheiraten würde Lotta uns schon ganz gern, aber ich glaube auch nur, weil Hochzeiten für Kinder so etwas Märchenhaftes darstellen.

Und werden sie irgendwann keinen Grund mehr haben, diese Fragen zu stellen?
Lotta hat diesen Sommer eine schöne Hochzeit von Freunden erlebt. Bis jetzt hat sie bei uns noch nicht wieder nachgefragt. (lacht) Bis dahin kann ich mir ja noch eine Antwort überlegen.

SUPERillu Nr. 38/2017 Interview: Susi Groth

 

 

 

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