18.05.2017

PRESSE: Trainieren mit Kati Wilhelm

Hersbrucker Zeitung: Mit Spitzensportlern kennen sie sich aus bei Fackelmann – vom grillenden Beinahe-Boxweltmeister bis zu den Bundesligahandballern vom HC Erlangen. Dieser Tag aber bleibt rund 30 Führungskräften des Hersbrucker Haushaltswaren- und Badmöbelherstellers sicher noch lange in Erinnerung: Zum Auftakt des gemeinsam mit der Barmer Krankenkasse initiierten betrieblichen Gesundheitsmanagements durften sie mit Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm eine Stunde lang ihre Rumpfmuskulatur trainieren und erhielten sehr persönliche Einsichten in das Leben einer Weltklassesportlerin.

Seit Juli 2016 ist Kati Wilhelm eines der Gesichter des Projekts „Spitzensportler bewegen Mitarbeiter“ der Barmer Krankenkasse – neben anderen deutschen Olympiahelden wie Zehnkämpfer Frank Busemann, Beachvolleyballer Jonas Reckermann oder Schwimmerin Britta Steffen. Einen halben Tag lang zeigen die früheren Topathleten dabei in Firmen, wie sich Mitarbeiter im Arbeitsalltag mit kleinen Übungen fit halten können, geben Tipps zur gesunden Ernährung und sprechen über Höhen und Tiefen ihrer Karriere und darüber, wie sie in schwierigen Momenten zurück in die Erfolgsspur gefunden haben.

Von denen hatte auch die 1976 im thüringischen Schmalkalden geborene Biathletin einige zu meistern – auch wenn das bei einer Ausnahmeathletin, die im Lauf ihrer Karriere sieben olympische, 13 WM-Medaillen, 37 Weltcuprennen und 2006 den Gesamtweltcup gewonnen hat, auf den ersten Blick überraschen mag. „Ich habe viele Entscheidungen treffen müssen und bin oft auch unerwartete Wege gegangen, aber ich war damit sehr glücklich“, sagt sie.

Vier davon rückt die seit 2010 für die ARD tätige Biathlonexpertin in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Mit gerade einmal acht Jahren stellt sie bei einem Crosslauf im Nachbardorf fest, wie viel „Spaß Siegen macht“ – damals noch in Blond, wie sie in Anspielung auf ihr Markenzeichen, die leuchtend rot oder orange gefärbten Haare, verschmitzt anmerkt.

Um dieses Gefühl auch als erwachsene Athletin auskosten zu können, wechselt sie 1999 vom Langlauf zum Biathlon und wird schnell für diesen Mut und das oft entbehrungsreiche Training, in dem sie pro Jahr neben dem Schießtraining rund 6500 Kilometer auf Ski, Rollen oder dem Rad „schrubbt“, belohnt: Gleich bei ihrem ersten Start bei der Biathlon-WM in Pokljuka gewinnt sie Gold im Sprint, gefolgt von Silber mit der Staffel. 2002 bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City steht sie zweimal ganz oben (Sprint und Staffel) und gewinnt in der Verfolgung Silber.

Dann aber fällt die Mutter zweier Kinder in ein „Leistungsloch“ und trifft nach der reichlich verkorksten Heim-WM in Oberhof 2003 die nächste wichtige Entscheidung. Im folgenden Winter wechselt sie vom erstklassigen, aber für sie inzwischen allzu vertrauten Trainingszentrum Oberhof an den Olympiastützpunkt Ruhpolding. „Dort war alles neu, aber das hat mich auch total motiviert“, erzählt Wilhelm. Und ihre wiederentdeckte „Lust auf Training“ zahlt sich aus, mit Platz zwei im Gesamtweltcup und dem Gewinn der kleinen Kristallkugel für die Sprintwertung.

2009 steht sie erneut an einem Scheideweg. Weil die inzwischen 33-Jährige merkt, dass sie neue Anreize braucht, baut sie sich mit Andi Stitzl, ihrem späteren Lebenspartner Andi Emsländer und einem norwegischen Lauftechnikspezialisten ein eigenes Team auf – und hat damit erneut durchschlagenden Erfolg. Die Weltmeisterschaft in Pyeongchang wird mit je zwei Gold- und Silbermedaillen zur erfolgreichsten ihrer Karriere.

„Der Kopf denkt, der Bauch entscheidet“, bringt Kati Wilhelm ihre wichtigsten Weichenstellungen auf den Punkt. Das ist auch 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin nicht anders, als sie gegen den eindringlichen Rat ihrer Trainer bei der Eröffnungszeremonie die deutsche Fahne trägt. Und prompt sei es für sie als große Favoritin und Führende im Gesamtweltcup in den ersten beiden Rennen „nicht so gut gelaufen“, wie sie in ihrer lockeren Art erzählt. Vielleicht auch angestachelt von der folgenden, teils harten Kritik, dominiert sie dann aber in der Verfolgung, macht mit „viel Wut im Bauch“ ihren Rückstand aus dem Sprintrennen locker wett und gewinnt mit über einer Minute Vorsprung souverän ihre dritte olympische Goldmedaille.

Die lässt sie in Hersbruck ebenso durch die Reihen wandern wie die Bronzemedaille, die sie sich 2010 bei ihren letzten Spielen in Vancouver in der Staffel gemeinsam mit Simone Hauswald, Martina Beck und Andrea Henkel um den Hals hängen lassen durfte – die nicht nur dem Gewicht nach schwerste und „emotionalste“ ihrer Laufbahn. „Man sollte zu seinen Entscheidungen stehen und nicht daran zweifeln“, sagt sie, bevor sie die Fackelmann-Führungskräfte mit Stabilitätsübungen für Rumpf, Bauch und Rücken ins Schwitzen bringt, „vielleicht kommt dann mit etwas Geduld auch der Erfolg.“

„Richtig stolz“ ist auch Thomas Godek, Barmer-Geschäftsführer im Nürnberger Land, ist der Besuch von Kati Wilhelm bei der Firma Fackelmann, die er seit seinem Dienstantritt in Hersbruck im Jahr 1996 betreut, doch ihr einziger in ganz Nordbayern. Fackelmann-Personalleiter Matthias Winter setzt derweil darauf, dass die Führungskräfte die Anstöße der Ausnahmesportlerin als „Multiplikatoren“ in die Firma tragen, um „ihren Mitarbeitern vorzuleben, dass Sport eine gesunde Sache ist, die ihnen auch in der Arbeit hilft“.

Wie leicht sich kleine Übungen in den Arbeitsalltag einbauen lassen, zeigen die bei der Barmer Hersbruck-Lauf für das betriebliche Gesundheitsmanagement zuständige Johanna Kleinöder und Heike Steurenthaler vom Kooperationspartner „Trainingsmoment“ mit vier kleinen „Moving“-Übungen, die nur ein paar Minuten kosten und mehrmals am Tag angewendet dem „Rücken und der Gesundheit gut tun“.

Quelle: Hersbrucker Zeitung vom 13. Mai 2017

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